Andacht zur Jahreslosung: „Suche Frieden und jage ihm nach“

Liebe Leserinnen und Leser,

wir alle wollen Frieden, eine friedliche Beziehung oder ein friedliches Leben hier auf Erde haben. Aber tagtäglich erleben wir Streit, Konflikt, Gewalt und Kriege in unserer Welt. Trotzdem ruft Gott den Menschen und sagt: „Suche Frieden und jage ihm nach“ (Psalm 34:15). Diese Aussage ist gleichzeitig die Jahreslosung für dieses Jahr.

Wir alle haben die Sehnsucht nach Frieden und fast alle religiösen Gemeinschaften predigen über Frieden; es gibt viele Friedensbewegungen, die versuchen Frieden in unserer Welt zu stiften. Für viele Menschen bedeutet Frieden: ohne Streit zu leben, das ist aber leider Utopie. Das biblische Verständnis von Frieden ist umfassender und tiefgründiger. Das hebräische Wort für Frieden ist „Schalom“, welches nicht nur die Abwesenheit von Krieg oder Streit bedeutet, sondern eine tiefe Sehnsucht nach einer heilen, unversehrten Welt, in der keine Gefahr mehr droht. „Schalom“ ist die unverbrüchliche Hoffnung auf ein gerechtes und alle Feindschaft überwindendes Miteinander der ganzen Schöpfung. Darum singt David in seinem Psalm 85, 10-12 und sagt: „Doch ist ja seine Hilfe nahe denen, die ihn fürchten, dass in unserm Land Ehre wohne; dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen; dass Treue auf der Erde wachse und Gerechtigkeit vom Himmel schaue“. Frieden ohne Gerechtigkeit währt nicht lang. Wenn wir nach Frieden suchen, sollen wir über die drei Arten von Frieden nachdenken und diese sind:

  1. Den inneren Frieden suchen: Bevor ich den äußeren Frieden suche, muss ich den inneren Frieden haben. Das heißt Frieden mit mir selbst. Frieden mit mir selbst ist ein wichtiges Ziel. Wie suche ich ihn, wie jage ich ihm nach? Darauf gibt es keine Patentantwort. Frieden mit mir kann ich nur haben, wenn ich mich selbst liebe. Das bedeutet Ja zu mir zu sagen, so wie ich bin und unterwerfe mich nicht den guten Vorsätzen der Selbstoptimierung. Ich sage Ja zu meiner Beziehung, zu meiner Arbeit mit allen Höhen und Tiefen. Ich liebe mich, ich liebe meine Beziehung, ich liebe meinen Partner, ich liebe meine Gemeinde/Gemeinschaft. Das ist ein Weg zum Frieden mit sich selbst. Dabei weiß ich sehr genau, dass eine Liebe, die alles gut findet, wie es ist, eine Gratwanderung ist. Denn es gibt Dinge, die nicht gut sind, wie sie sind. Die ich nicht hinnehmen darf – sei es bei mir selbst, bei meiner Arbeit oder weltweit. Doch ich vertraue darauf, dass jede und jeder Einzelne ein gutes Gespür dafür hat, was nicht hinnehmbar ist – und entsprechend handelt. Das Fundament aber ist die Liebe, die Ja sagt.
  2. Den äußeren Frieden suchen: Frieden in der Familie, Frieden mit Partner/ Partnerin, mit Verwandtschaft, Frieden in der Gesellschaft, globaler Frieden, Frieden zwischen den Völkern, Beendigung von Gewalt und Krieg, Frieden zwischen Generationen und den Geschlechtern. Der Frieden zwischen Arm und Reich. Der Frieden mit der Schöpfung. Alle diese Themen brauchen unser Engagement und unser Gebet. Allzu oft machen Menschen dabei die Erfahrung des Misserfolgs. Die Erfahrung, doch nichts ausrichten zu können. So schwer es manchmal sein mag, darf die Antwort auf diese Erfahrungen des Scheiterns nicht Resignation sein, sondern: mehr Engagement, mehr Gebet.
  3. Den Frieden mit Gott suchen: Der Frieden mit Gott muss ich nicht suchen, nicht schaffen oder nachjagen. Ich begegne Gott nicht auf der Augenhöhe von Partnern, die untereinander Frieden aushandeln. Den Frieden Gottes kann ich mir nur schenken lassen. Die ersten Worte, die der auferstandene Jesus zu den Jüngern sagte, lauten: „Friede sei mit euch….. Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt.“ (Johannes 14,27). Gott hat uns allen seinen Frieden geschenkt. Gottes Frieden ist da, aber wir müssen darum bitten und annehmen.

Ich wünsche Ihnen und Euch allen friedliche, erholsame und gesegnete Sommerferien.

Ihr Pastor Benti