„Als Jesus schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben und mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe! Und einige Pharisäer in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht! Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“

(Lukas 19, 37-40)

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,

wie eng manchmal eine ausgelassene Stimmung und ein Vorzeichen auf Unheil zusammenhängen. Jesus geht mit seinen Jüngern am Fuß des Ölbergs entlang, als er nach Jerusalem einzieht. Jesus reitet auf einem jungen Esel, die Jüngerinnen und Jünger breiten Kleidungsstücke auf dem Boden aus, über die er hinwegreitet. Die Jüngerinnen und Jünger schreien in Hochstimmung ihrem Herrn und Meister entgegen. Sie rufen ihn sogar als König an; gefährlich in einer hoch aufgeladenen politischen Stimmung. Die Ortsangabe „Ölberg“ weist schon auf das Leiden hin, das Jesus kurz bevorsteht.

Im Garten Gethsemane am Ölberg wird er verraten und verhaftet werden. Doch jetzt jubeln die Anhängerinnen und Anhänger Jesu noch, sie feiern ihn. Doch auch diese Szene ist getrübt, denn bei diesem Einzug in Jerusalem jubeln Jesus nicht große Menschenmassen am Wegesrand entgegen, sondern nur der enge Kreis um Jesus selbst. Die übrigen Menschen, die das Spektakel mitbekommen, nehmen keine Notiz, sie interessiert das nicht, – bis auf eine Gruppe: die Pharisäer. Und die nehmen Anstoß. Sie beschweren sich über das ungehörige Benehmen der Jüngerinnen und Jünger.

Feste und Feiern sind in der jetzigen Zeit auch für uns schwierig. Sie werden verschoben oder fallen gleich ganz aus. Und wenn sich doch welche zu einer Party zusammenfinden, werden sie zurecht mit Bußgeld belegt und auseinandergetrieben. Doch dahinter steht ein sehr verständliches menschliches Bedürfnis, das wir alle doch grundsätzlich teilen: in Gemeinschaft mit anderen zusammenkommen und sich gemeinsam des Lebens freuen. Doch momentan versteht sich auch dieses Grundsätzliche nicht von selbst, und wir müssen Verständnis dafür haben, dass wir diesem elementaren Bedürfnis nach Festen und Feiern nicht nachgeben können.

Jesus reagiert denkwürdig auf die ablehnende Haltung der Pharisäer: Wenn die Jüngerinnen und Jünger nicht jubeln können, werden eben die Steine jubeln, aber gejubelt wird auf jeden Fall. Das Motto ist: „Wir lassen uns das Feiern nicht verbieten.“ Und die Legitimation dafür? Hier kommt iner im Namen Gottes, der führt einen Auftrag aus und zu Ende. Jesus wird bald nach seinem Einzug in Jerusalem mit dem, was er erleidet, dem Tod den Stachel nehmen. Er wird Menschen damit vor Unheil, Mutlosigkeit und Niedergeschlagenheit retten. Er wird ein neues Leben zu uns und mitten unter uns bringen. Er wird aus dem Lockdown, der Frustration eine Hochstimmung und Feierlaune hervorbringen und uns mitreißen. Bis dahin schreien für uns die Steine, und Jesus Christus bringt bei uns Steine ins Rollen, die nur eine Richtung kennen: Leben, Gemeinschaft, Annahme und Rücksicht aufeinander. Die Musikgruppe „Rolling Stones“ singen in einem Stück: „War is just a shot away. – Love is just a kiss away.” Krieg ist nur einen Schuss entfernt. – Liebe ist nur einen Kuss entfernt. Jesus Christus wird uns gemeinsam den Weg weisen, auf dem wir einander in Liebe begegnen und dem Unheil entgehen werden. Auf diesem Weg wird er uns dahin bringen, dass wir einander so sein lassen, wie wir sind, und ausgelassen, freundlich und fröhlich Gemeinschaft miteinander feiern können.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie die Zeit des verordneten Abstands und des Ausbleibens von Feiern, die Zeit des Wartens auf Gemeinschaft und Rückkehr zur Freiheit und der mit anderen geteilten Freude gut überstehen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie schon jetzt in Frühlingsnatur und Lieblingsliedern im Radio oder bei Streamingdiensten die Zeichen sehen und die Schreie hören, die neue Zeiten verkünden. Das alles sehen und hören wir als Vorzeichen auf den, der da kommt im Namen des Herrn. Wir loben ihn mit unseren eigenen Psalmen und Liedern. Amen

Es grüßt Sie herzlich          Pastor Jens Petersen