47 Noch während Jesus sprach, kam eine große Gruppe Männer. Sie wurden von Judas, einem der zwölf Jünger, angeführt. Judas ging auf Jesus zu, um ihn mit einem Kuss zu begrüßen. [a] 48 Aber Jesus fragte ihn: »Judas, willst du den Menschensohn mit einem Kuss verraten?«49 Jetzt hatten auch die anderen Jünger begriffen, was vor sich ging. Aufgeregt riefen sie: »Herr, sollen wir dich mit dem Schwert verteidigen?« 50 Einer von ihnen zog gleich das Schwert, schlug auf den Diener des Hohenpriesters ein und hieb ihm das rechte Ohr ab. 51 Aber Jesus befahl: »Hört auf damit!« Er berührte das Ohr des Mannes und heilte ihn.52 Dann fragte Jesus die obersten Priester, die Offiziere der Tempelwache und die führenden Männer des Volkes, die gekommen waren, um ihn festzunehmen: »Bin ich denn ein Verbrecher, dass ihr euch mit Schwertern und Knüppeln bewaffnen musstet? 53 Jeden Tag war ich im Tempel. Warum habt ihr mich nicht dort festgenommen? Aber jetzt ist eure Stunde da. Jetzt hat die Finsternis Macht.«

Noch vor wenigen Stunden hat Jesus mit seinen Jüngern zusammengesessen und das Abendmahl gefeiert. Jesus wusste, was auf ihn zukam. Er hat es den Jüngern gesagt, sogar den Verrat und den Verräter hat er benannt. Jesus ist betrübt, er hat die Nacht nach dem Abendmahl gebetet. Die Jünger, die ihn eigentlich unterstützen wollten, konnten ihm keine Hilfe sein: Sie waren müde und schliefen ein. Vielleicht konnten die Jünger sich einfach nicht vorstellen, dass Jesus verhaftet werden könnte. Er ist doch so stark! Das Volk in Jerusalem hat ihn gefeiert wie einen König! Es kann doch gar nicht sein, dass so jemand sang- und klanglos festgenommen und vor Gericht gestellt werden kann!

Jetzt, wo es passiert, werden sie lebhaft. Sie wollen Jesus mit dem Schwert verteidigen, einer zieht es wirklich und schlägt zu. Die Unterstützung könnte Jesus doch freuen, jetzt zeigen die Jünger ja, dass er ihnen wichtig ist und sie ihn nicht verlieren wollen. Aber Jesus reagiert anders. Er hat den Jüngern erklärt, dass dies sein Weg ist. Dafür wünscht er sich Unterstützung, Verständnis, Nähe. Gewalt will er nicht. Und darum lehnt er die Verteidigung durch die Jünger ab und heilt sogar den verletzten Söldner. Mitten in der Aufregung um seine Verhaftung ist er der Einzige, der seine Haltung bewahrt.

So begegnet er auch den Priestern und den Offizieren, die ihn verhaften wollen. Er zeigt keine Angst, er spricht sie aber darauf an, dass sie ja oft genug Gelegenheit gehabt haben, sich mit ihm auseinanderzusetzen. Aber sie haben es nicht getan, sie kommen lieber insgeheim, in der Nacht, damit ihr Tun keine Zeugen hat. Jesus ist bewusst, dass er sie nicht beeindrucken kann. Sie haben vor, ihre Macht auszuüben. Jesus nimmt die Ereignisse so, wie sie sind. Aber er unterwirft sich nicht und bittet nicht um Milde. In seiner klaren, unaufgeregten Art ist er stärker als seine Feinde.

An dem schwersten Tag seines Lebens lebt Jesus vor, was christliche Stärke ist: Jesus benannt das Unrecht, er konfrontiert die Mächtigen, die ihn verhaften, direkt damit. Aber er verzichtet auf Gewalt. Jesus hat beschlossen, seinen eigenen Weg zu gehen, sich im Namen Gottes der Ungerechtigkeit seiner Verhaftung und des Prozesses zu stellen. Und darum ist er stärker als die Mächtigen.

Man könnte denken: Ganz schön naiv. Am Ende gewinnt Macht und Gewalt immer. Aber wer würde sich an die Machthaber seiner Zeit erinnern, wenn Jesus nicht gewesen wäre? Jesus, sein befreiendes, erlösendes Wirken strahlt bis in unsere Zeit. Immer wieder haben Menschen in seiner Nachfolge entdeckt, wie viel Kraft in Ehrlichkeit, Nächstenliebe und Gewaltlosigkeit liegt. Nur drei Beispiele: Martin Luther King, Sophie Scholl, Nelson Mandela. Es lohnt sich, Jesus nachzufolgen. Es lohnt sich, der brutalen Macht zu widersprechen. Können wir das mit Jesu Hilfe nicht alle tun?

Psalm 34, 16-13

16 Die Augen des HERRN merken auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Schreien. 17 Das Antlitz des HERRN steht wider alle, die Böses tun, dass er ihren Namen ausrotte von der Erde. 18 Wenn die Gerechten schreien, so hört der HERR und errettet sie aus all ihrer Not. 19 Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben. 20 Der Gerechte muss viel leiden, aber aus alledem hilft ihm der HERR. 21 Er bewahrt ihm alle seine Gebeine, dass nicht eines von ihnen zerbrochen wird. 22 Den Frevler wird das Unglück töten, und die den Gerechten hassen, fallen in Schuld. 23 Der HERR erlöst das Leben seiner Knechte, und alle, die auf ihn trauen, werden frei von Schuld.

Fürbittengebet

Herr, unser Gott, voller Vertrauen kommen wir zu dir und bitten dich:

Sei bei denen, die nicht wissen, wie es weitergehen soll, die in der Dunkelheit gefangen sind und sich nach Licht am Ende des Tunnels sehnen:

Mach du ihre Dunkelheit hell.

Wir bitten dich für die, die Kummer und Sorgen haben.

Hilf ihnen, die Last zu tragen. Trockne ihre Tränen:

Lass sie spüren, dass sie nicht allein sind.

Wir bitten dich für uns:

Öffne unsere Augen und unsere Herzen für die Menschen um uns herum.

Lass uns ihre Not erkennen und gerne bereit sein zu helfen.

Lass uns in deinem Namen zu Lichtbringern werden.

Guter Gott,

in der Stille bringen wir unsere eigenen Sorgen und unseren Kummer vor dich: […].

Lass uns darauf vertrauen, dass du es in allem gut mit uns meinst. Amen