Liebe Leserinnen und Leser!

In bildlicher Sprache redet Prophet Jesaja vom Weinberg in seinem Buch im 5. Kapitel. Weil der Wein ein Luxusgut ist, der einen langen Prozess braucht, hier gepflanzt ist der Weinberg ein wertvolles Stück Land. Mit der Hoffnung eine gute Ernte zu bekommen, pflanzt der Bauer die Reben und baut einen Zaun um den Weinberg als Schutz. Trotz aller Mühe kann der Weinberg den Bauern manchmal enttäuschen und hat wenig oder schlechte Trauben. Aus Enttäuschung nimmt der Bauer den Zaun weg und lässt den Weinberg ohne Schutz.

Der Weinberg im Text steht als Bild für das Volk Israel und die schlechten Trauben stehen für das Unrecht in Israel. Ähnlich wie der Weinberg hat das Volk Israel seinen Gott enttäuscht. Der Jesaja prophezeit, dass Gottes als Strafe das Volk Israel ohne Schutz lässt, dass der Feind Babylon die Grenzen Judas überschreitet, dass der Staat Israel vernichtet, der Tempel in Jerusalem zerstört und das Volk in die Sklaverei nach Babylon weggeführt wird. Mit dieser schlechten Nachricht macht der Prophet den Zuhörer hilflos und hoffnungslos. Wie Jesaja sagte, wurde die Prophezeiung erfüllt. Das Volk Israel musste fast 60 Jahre im babylonischen Exil um sein Überleben kämpfen. Die leidendenden, verzweifelten, traurigen Israeliten fragten sich damals: Hat Gott seinen Bund mit Israel vergessen? Gibt es Hoffnung für das Volk Gottes?

Liebe Leserinnen und Leser!

Wie oft haben wir im Privaten, im gesellschaftlichen Leben Verzweiflung, Traurigkeit, Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit erlebt? Wie die Israeliten damals einen Überlebenskampf geführt haben, so tun  wir es auch heute. Das tödliche Virus  COVID 19 hat die ganze Welt hilflos, ratlos und hoffnungslos gemacht. Seit einem Jahr müssen wir soziale Kontakte vermeiden, Geschäfte schließen, allein zu Hause sitzen. Viele Menschen leiden an unerträglicher Einsamkeit. Viele Menschen haben keine Ahnung, wie es beruflich weitergeht. Oder wenn Nahestehende sterben oder wenn man eine lebensbedrohliche Diagnose erhält, verliert man die Hoffnung. Dann geht es uns nicht viel anders als den Hörern des Jesaja.

„Die Hoffnung stirbt zuletzt“ sagt man in Deutsch, aber ich sage: für Gottes Volk stirbt die Hoffnung nie. Das Leben besteht nicht nur aus Tiefen, sondern auch aus Höhen.  Die Kriege und seine Folgen wie Hungernöte, Vertreibungen, die eigenen Krankheiten, der Tod eines geliebten Menschen und menschliche Schikane sind die Tiefpunkte des Lebens. Unsere beruflichen, wirtschaftlichen Erfolge und der lange Frieden nach dem Krieg, das Leben in einem Rechtsstaat, die soziale Absicherung, die schnelle Erfindung vom Impfstoff in Deutschland sind die Höhepunkte. Dafür müssen wir dankbar sein. Als Gläubige müssen wir die Hoffnung haben, dass hinter der Dunkelheit ein helles Licht steht. Gottes Bund mit seinem Volk ist nicht abhängig von unseren Sünden.

In unserer Bibel lesen wir, nicht nur die menschlichen Verfehlungen und göttliche Strafe, sondern auch Reue und Gottes Errettung. Gott wurde in seinem Sohn Jesus Christus ein Mensch und erlebte, was wir Menschen kennen. Da war das Schöne am Leben: Er wurde bejubelt, Menschen folgten ihm nach und er kannte Freude und Freundschaft. Und er hat wie ein Mensch gelitten: Er erlebte Ablehnung, Verleugnung, Verrat, ein ungerechtes Urteil und einen einsamen Tod. Durch seine Auferstehung von den Toten hat er uns vor dem ewigen Tot gerettet. Durch Jesus hat Gott uns allen von unserer Schuld befreit. Das ist das Geschenk der Passion Jesu. Liebe Leserinnen und Leser! Wir können immer wieder bei Gott einen Neuanfang machen. Deshalb können wir durch unsere Gebete unserem rettenden Gott begegnen. Er hört unsere Gebete. Amen.  

Andacht von Pastor Benti

Psalm und Fürbittengebete

Psalm 25, 1-9

1Von David. Nach dir, HERR, verlangt mich. 2 Mein Gott, ich hoffe auf dich; lass mich nicht zuschanden werden, dass meine Feinde nicht frohlocken über mich. 3 Denn keiner wird zuschanden, der auf dich harret; aber zuschanden werden die leichtfertigen Verächter. 4 HERR, zeige mir deine Wege und lehre mich deine Steige! 5 Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich! Denn du bist der Gott, der mir hilft; täglich harre ich auf dich. 6 Gedenke, HERR, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von Ewigkeit her gewesen sind. 7 Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Übertretungen, gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit, HERR, um deiner Güte willen! 8 Der HERR ist gut und gerecht; darum weist er Sündern den Weg. 9 Er leitet die Elenden recht und lehrt die Elenden seinen Weg.

Fürbittengebet

Herr Jesus Christus, wir danken dir, dass du uns vorausgegangen bist und uns durch den Tod ins Leben führst. Wir bitten dich: Schenke es, dass wir uns dir anvertrauen und uns ganz auf dich und deine Barmherzigkeit verlassen – und nicht auf unsere eigenen Kräfte.

Gnädiger Gott, wir bitten dich, dass du den Glauben deiner Kirche stärkst. Schenke es, dass wir uns ganz auf dich verlassen und uns dir anvertrauen – auch dann, wenn uns alles ausweglos erscheinen mag.

Gnädiger Gott, wir legen Sterbende an dein Herz und Menschen, die sie versorgen; auch Verstorbene und Menschen, die um sie trauern. Auch Kranke und die, die sich Sorgen um ihre Lieben machen.  Schenke deinen Trost und stärke den Glauben an das Leben, auch wenn der Tod nach uns greift.

Gnädiger Gott, mach uns zu Boten des Lebens und der Versöhnung in dieser Zeit und in unserer Welt. Lass Menschen das Leben erfahren, das sich durchsetzt.

Schenke uns und allen Menschen den Mut zum Vertrauen auf deine Liebe, die wächst und lebendig ist, auch wenn alles tot erscheint.

Amen