von Prädikantin Irmgard Schulz

4 Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus jeder Stadt zu ihm eilten, sprach er durch ein Gleichnis: 5 Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges an den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen’s auf. 6 Und anderes fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. 7 Und anderes fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten’s. 8 Und anderes fiel auf das gute Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Ein seltsamer Sämann ist das. Jeder Mensch, der sich mit Landwirtschaft auskennt, kann da nur sehr erstaunt kucken. Der Sämann sät doch aus, damit er nachher etwas ernten kann.
Zu Jesu Zeiten gab es keine Supermärkte, da lebten die meisten Menschen tatsächlich hauptsächlich von dem, was sie selbst gepflanzt und geerntet hatten. Da muss das Land gut vorbereitet werden und ein normaler Sämann achtet genau darauf, wo er die Saat hinwirft.
Diesen Sämann interessiert das offenbar nicht. Er wirft den Samen überall hin, wo er gerade ist: Den Weg, einen Felsen, mitten in die Dornen – immerhin ist fruchtbares Land auch dabei. Und dort wächst es dann auch richtig gut.
Warum wirft er denn nicht alle Körner auf das fruchtbare Land?
Er verliert doch unglaublich viel von seiner Ernte!

Ich sehe in der Geschichte ein Bild für das, was im alltäglichen Leben passiert. Jemand hat ein Ziel, will etwas Bestimmtes erreichen und versucht immer wieder den Weg dafür zu finden.
Im Leben lässt sich nicht so leicht wie bei der Aussaat erkennen, wo die Versuche erfolgreich sein könnten und wo nicht. Es gibt immer wieder Rückschläge, nichts scheint zu klappen. Was kann man dann tun? Ärgerlich werden, hinschmeißen: „Es bringt ja sowieso nichts! Was soll ich mich noch anstrengen!“ Da hilft ein Blick auf den Sämann: Der macht einfach weiter. Scheinbar unberührt geht er seinen Weg und wirft die Saat aus. Es entmutigt ihn nicht, wenn der Same nicht aufgehen kann. Er geht so lange weiter, bis er eine gute Aussaat hat. Die Geduld hat sich gelohnt.

 Das Leben lässt sich nicht komplett durchplanen. Sicher ist es gut, nicht unüberlegt zu handeln – aber auch die klügsten Gedanken führen nicht dazu, dass im Leben alles gelingt. Eine unerwartete Krankheit, ein Unfall, eine berufliche Krise – ja, auch wenn sich jemand auf einmal verliebt, wird die beste Planung auf einmal umgeworfen. Je älter der Mensch wird, desto deutlicher wird: Niemand beherrscht sein Leben perfekt. Das kann so aussehen, ist aber nicht so.

Ist das schlimm? Der Sämann wirkt doch ganz zufrieden. Er ist jemand, der nicht alles zu planen versucht. Natürlich ist er aktiv, aber er erwartet nicht immer ein gutes Ergebnis. Er nimmt hin, was passiert, aber er findet sich mit dem Scheitern nicht ab. Im Vertrauen darauf, dass er den richtigen Ort schon finden wird, geht er weiter. Das ist doch ein gutes Vorbild. Legen wir unser Leben in Gottes Hand, nehmen wir es, wie es gerade ist. Im Vertrauen darauf, dass Gott da ist und schützt. Nicht immer gleich, aber er wird es tun. Ich glaube, dass Jesus das gemeint hat, als er am Ende seiner Geschichte sagt: „Wer Ohren hat zu hören, der höre!“ Wer sein Leben so Gott anvertraut, kann Scheitern ertragen. Er kann über sich selbst lachen, wenn sein Leben gerade gar nicht perfekt ist. Und er lebt in der Sicherheit, dass Gott ihn am Ende den richtigen Weg führt.

Fürbittengebet

(unter Aufnahme des VELKD-Wochengebetes zu Sexagesimae)

Gott, dein Wort tröstet und befreit. Dein Wort ist unser Glück. Dein Wort ist Hoffnung und Leben. Sprich zu uns, du unser Gott.

Sprich dein Wort, damit die Mächtigen es hören. Sprich, damit aus Misstrauen Vertrauen wird, damit sich Zerstrittene versöhnen, damit das Recht über Gewalt und Lüge siegt.

Sprich dein Wort durch deine Propheten und öffne die Ohren und Herzen der Starken. Sprich und erbarme dich.

Sprich dein Wort, damit es die Verletzten und Kranken hören. Sprich, damit die Wunden heilen, damit wirksame Medizin entwickelt wird, damit die Trauernden Trost finden.

Sprich dein Wort durch die Klugen und öffne die Ohren und Herzen der Verunsicherten. Sprich und erbarme dich.

Sprich dein Wort, damit es die Schwachen und Verzweifelten hören. Sprich, damit Krieg und Gewalt enden, damit die Heimatlosen und Flüchtlinge einen sicheren Ort finden, damit die Feindschaft ihre Macht verliert.

Sprich dein Wort durch den Mund der Mutigen und schenke Frieden.

Sprich dein Wort, damit es deine Kirche hört. Sprich, damit die Enttäuschten zurückkehren, die Ratlosen sich zurechtfinden, unsere Kinder dich kennenlernen.

Sprich dein Wort zu uns, verwandele unsere Herzen und Sinne durch Jesus Christus.

Sprich und erbarme dich heute und alle Tage.