3.Sonntag nach Epiphanias

Musik zum Begin

Begrüßung

Liebe Leserinnen und Leser!

Wegen der Coronapandemie können wir leider keinen normalen Gottesdienst in der Kirche gestalten. Aber unsere Tituskirche wird am 24.1.2021 und 07.02.2021 zwischen 10 und 11 Uhr für Besucher und Besucherinnen geöffnet sein. In dieser Zeit wird Musik in der Kirche gespielt. Sie können sich Zeit für sich nehmen und mit Abstand in die Kirche setzen, die Musik hören und in der Stille meditieren.

Wenn Sie nach Hause gehen, nehmen Sie bitte diesen Gottesdienstablauf mit. Gott segne unseren Eingang und Ausgang von nun bis in Ewigkeit. Amen.

Lied

Psalm 86

Gebet in Bedrängnis

1 Ein Gebet Davids. HERR, neige deine Ohren und erhöre mich; denn ich bin elend und arm. 2 Bewahre meine Seele, denn ich bin dir treu. Hilf du, mein Gott, deine Knechte, der sich verlässt auf dich. 3 Herr, sei mir gnädig; denn ich rufe täglich zu dir. 4 Erfreue die Seele deines Knechts; denn nach dir, Herr, verlangt mich. 5 Denn du, Herr, bist gut und gnädig, von großer Güte allen, die dich anrufen. 6 Vernimm, HERR, mein Gebet und merke auf die Stimme meines Flehens! 7 In der Not rufe ich dich an; du wollest mich erhören! 8 Herr, es ist dir keiner gleich unter den Göttern, und niemand kann tun, was du tust. 9 Alle Völker, die du gemacht hast, werden kommen und vor dir anbeten, Herr, und deinen Namen ehren, 10 dass du so groß bist und Wunder tust und du allein Gott bist. 11 Weise mir, HERR, deinen Weg, dass ich wandle in deiner Wahrheit; erhalte mein Herz bei dem einen, dass ich deinen Namen fürchte. 12 Ich danke dir, Herr, mein Gott, von ganzem Herzen und ehre deinen Namen ewiglich. 13 Denn deine Güte ist groß über mir, du hast mein Leben errettet aus der Tiefe des Todes. 14 Gott, es erheben sich die Stolzen gegen mich, / und eine Rotte von Gewalttätern trachtet mir nach dem Leben und haben dich nicht vor Augen. 15 Du aber, Herr, Gott, bist barmherzig und gnädig, geduldig und von großer Güte und Treue. 16 Wende dich zu mir und sei mir gnädig; stärke deinen Knecht mit deiner Kraft und hilf dem Sohn deiner Magd! 17 Tu ein Zeichen an mir, dass mir’s wohlgehe, dass es sehen, die mich hassen, und sich schämen, weil du mir beistehst, HERR, und mich tröstest.

Gebet zum Tage

Aus dem Kleinen kommen wir zu dir, guter Gott. Das Große entzieht sich uns, wir sehen nicht über das hinaus, was uns umgibt. Wir brauchen dich für den Blick hinaus. So suchen wir dich diese Stunde, suchen dein Wort und deine Zusage: Weise uns Herr, deinen Weg, dass wir wandeln in deiner Wahrheit; erhalte unser Herz bei dem einen, dass wir deinen Namen fürchten. Darum bitten wir durch Christus Jesus im Heiligen Geist. Amen.

Lesung Rut 1, 1-19 (gleichzeitig Lesepredigttext)

Rut zieht mit Noomi nach Bethlehem

1 Zu der Zeit, als die Richter richteten, entstand eine Hungersnot im Lande. Und ein Mann von Bethlehem in Juda zog aus ins Land der Moabiter, um dort als Fremdling zu wohnen, mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen. 2 Der hieß Elimelech und seine Frau Noomi und seine beiden Söhne Machlon und Kiljon; die waren Efratiter aus Bethlehem in Juda. Und als sie ins Land der Moabiter gekommen waren, blieben sie dort. 3 Und Elimelech, Noomis Mann, starb, und sie blieb übrig mit ihren beiden Söhnen. 4 Die nahmen sich moabitische Frauen; die eine hieß Orpa, die andere Rut. Und als sie ungefähr zehn Jahre dort gewohnt hatten, 5 starben auch die beiden, Machlon und Kiljon. Und die Frau blieb zurück ohne ihre beiden Söhne und ohne ihren Mann. 6 Da machte sie sich auf mit ihren beiden Schwiegertöchtern und zog aus dem Land der Moabiter wieder zurück; denn sie hatte erfahren im Moabiterland, dass der HERR sich seines Volkes angenommen und ihnen Brot gegeben hatte. 7 Und sie ging aus von dem Ort, wo sie gewesen war, und ihre beiden Schwiegertöchter mit ihr. Und als sie unterwegs waren, um ins Land Juda zurückzukehren, 8 sprach sie zu ihren beiden Schwiegertöchtern: Geht hin und kehrt um, eine jede ins Haus ihrer Mutter! Der HERR tue an euch Barmherzigkeit, wie ihr an den Toten und an mir getan habt. 9 Der HERR gebe euch, dass ihr Ruhe findet, eine jede in ihres Mannes Hause! Und sie küsste sie. Da erhoben sie ihre Stimme und weinten 10 und sprachen zu ihr: Wir wollen mit dir zu deinem Volk gehen. 11 Aber Noomi sprach: Kehrt um, meine Töchter! Warum wollt ihr mit mir gehen? Wie kann ich noch einmal Kinder in meinem Schoße haben, die eure Männer werden könnten? 12 Kehrt um, meine Töchter, und geht hin; denn ich bin nun zu alt, um wieder einem Mann zu gehören. Und wenn ich dächte: Ich habe noch Hoffnung!, und diese Nacht einem Mann gehörte und Söhne gebären würde, 13 wolltet ihr warten, bis sie groß würden? Wolltet ihr euch einschließen und keinem Mann gehören? Nicht doch, meine Töchter! Mein Los ist zu bitter für euch, denn des HERRN Hand hat mich getroffen. 14 Da erhoben sie ihre Stimme und weinten noch mehr. Und Orpa küsste ihre Schwiegermutter, Rut aber ließ nicht von ihr. 15 Sie aber sprach: Siehe, deine Schwägerin ist umgekehrt zu ihrem Volk und zu ihrem Gott; kehre auch du um, deiner Schwägerin nach. 16 Rut antwortete: Bedränge mich nicht, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. 17 Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der HERR tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden. 18 Als sie nun sah, dass sie festen Sinnes war, mit ihr zu gehen, ließ sie ab, ihr zuzureden. 19 So gingen die beiden miteinander, bis sie nach Bethlehem kamen.

Lied

Stille

Lied

Predigt zu Rut Kapitel 1, Verse 1 bis 19 Von Pastor Jens Petersen

Liebe Leserin, lieber Leser,

wer lässt sich heute schon darauf ein, den Weg einer anderen Person vorbehaltlos mitzugehen? Viele glauben ja, sie hätten ihren eigenen, sehr speziellen Weg – nach dem Motto „I did it my way“, „ich hab‘ es auf meine Art gemacht“. Sie lassen sich nicht gern hineinreden in ihr Leben und meinen unabhängig von allen äußeren Einflüssen zu sein. Andere wiederum fühlen sich erst stark und auf dem „richtigen“ Weg, wenn sie mit anderen unterwegs sind, die ähnlich denken, ähnliche Meinungen vertreten wie sie selbst. Sie werden mit einer großen Gruppe mitgezogen.

         In der Pandemie geht beides teilweise zusammen. Einige leugnen beispielsweise die Krankheit oder zumindest ihre Gefahr, und sie organisieren sich in größeren Protestgruppen, machen sich auf den Weg, gehen gleichsam ihren eigenen Weg und wollen nicht mehr glauben, was alle anderen glauben, fühlen sich als die einzigen, die alles durchschaut haben, auch wenn das alles mit Vernunft, Logik, Einsicht oder Erkenntnis nichts mehr zu tun hat.

         Rut und Noomi, ihre Schwiegermutter, sind in einer höchst schwierigen Lage. Sie können in dem Land Moab, in dem sie gelebt haben, nicht mehr bleiben. Noomi entschließt sich, in ihr früheres Heimatland Juda zurückzukehren und dort ihren Alterssitz zu nehmen. Rut aus Moab entscheidet äußerst selbstsicher und konsequent, mit Noomi in das für sie fremde Land Juda mitzugehen. Sie hat nichts mehr zu verlieren. Sie schließt sich mit Zuversicht der Schwiegermutter an. „Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.“ Es klingt wie ein Gelöbnis, was Rut hier zu Noomi spricht. Und in der Gewissheit, mit der Rut das sagt, schwingt mehr mit als das bloße, große Vertrauen zu ihrer Schwiegermutter. Hier klingt die Verbindung zu dem Gott an, zu dem Noomi sich hält und betet. Ruts Entscheidung, in einem fremden Land neu anzufangen, ist im Grunde eine Bekehrungsgeschichte. Sie lässt sich dank ihrer Schwiegermutter auf den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs ein. Rut läuft also nicht blind irgendeinem Menschen und seinen womöglich schrägen Ideen oder krummen Wegen hinterher. Rut findet zu Gott, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist. Gerade auf diesem Weg findet sie aus der Finsternis hinaus zum Licht und zu einem neuen Leben. Sie vertraut also eigentlich zuerst diesem für sie neuen Gott. Gott selbst lässt sie Vertrauen bei ihrer Schwiegermutter Noomi finden.

Rut, von äußerer Not getrieben, von einer großen Zuversicht gelenkt, von ihrem neuen, treuen Gott geleitet, lässt sich nicht auf schräge Wege ein. Sie lässt sich nicht ver-führen auf Wege, die vielleicht in den Abgrund führen könnten. – Man könnte ja mitunter den Eindruck gewinnen, dass diejenigen, die ihren ganz eigenen Weg gehen wollen in der Pandemie, oder die, die sich in einer Gruppe der vermeintlich Erleuchteten oder einfach im Recht wähnen, sich im Grunde gar nicht bewegen; sie sind ja schon längst bei der Wahrheit angekommen, die die vielen anderen nur noch nicht verstanden haben, so ihr Wahn. Wer sich jedoch – mit Gott und den von ihm gesandten Menschen – auf einen Weg begibt, die vermeintlich sicheren Erkenntnisse, die festen Urteile, die unabweisbar richtigen Einsichten verlässt, wer merkt, dass gerade solche Erkenntnisse, Urteile und Einsichten ins Verderben führen, der sieht ein, dass Leben nur im Aufbruch und sich Einlassen auf Neues zu finden ist.

         Viele sprechen bereits davon, dass sich unsere Gesellschaft durch die Pandemie verändert und auch weiterhin verändern wird. Wir brechen gerade in Vielem auf zu etwas Neuem, vieles Gewohnte und Liebgewonnene bricht auf oder bricht sogar ab, und viele fragen sich, woran sie sich halten können. Gott bereitet uns den Weg. Er reißt uns nicht nur heraus, sondern er führt uns auch zu neuen Normalität, einer neuen Gemeinschaft mit den Altvertrauten. Rut findet übrigens in ihrer neuen Heimat Juda sogar die Liebe ihres Lebens. Gott wird uns vor den Abwegen der Verschwörungstheorien und der Scharlatane bewahren und uns in Gemeinschaften führen, in denen wir die Energie und Beweglichkeit des Lebens mit Neugier und Mut an uns erfahren.              Amen

Wenn Sie ein Evangelisches Gesangbuch zur Hand haben, so können Sie Lied Nr. 395 singen.

Gottes Segen für Sie. Bleiben Sie gesund und behütet.

Lied

Fürbittengebet/Vater Unser/ Segen

Es wird die Zeit kommen, guter Gott, da versammelst du die Deinen an einem Tisch; mit Brot und Wein als Zeichen deiner Gemeinschaft und Nähe. Wir bitten dich heute für uns: Lass dein Wort und deine Hoffnung stark in uns werden. Dass wir befreit werden von einem Blick, der nur uns selbst gilt. Schenke uns Kraft und Mut das zu tun, das vor uns liegt: den Nächsten im Blick.

Sende zu den Kranken, Armen und Hoffnungslosen Menschen, die sie stützen, pflegen und ihnen erzählen können vom Reiche Gottes.

Stütze die, die dich nicht kennen und führe sie zur Erkenntnis deiner Größe. So können auch sie etwas weitergeben von der Hoffnung, die sich in deinem Namen findet.

Wenn wir nicht mehr weiterkönnen, gibt uns die Kraft, uns dir ganz zu überantworten: ohne Sicherheitsnetz und ohne Rückversicherung. Erinnere uns an die Worte Ruts, wenn es bei uns soweit ist. Alle unsere Bitten, all unseren Dank legen wir in das Gebet, welches uns dein Sohn selbst gelehrt hat

Vater Unser

Vater unser im Himmel; geheiligt werde dein Name; dein Reich komme; dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute; und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen.

Segen

Es segne uns barmherziger und allmächtiger Gott; der Vater der Sohn und der Heilige Geist Amen.

Musik zum Ausgang