Menschen aus Vahrenheide und dem Sahlkamp erzählen von ihren Weihnachtsbräuchen

Die letzten Jahre bin ich immer mit der AWO über Weihnachten und Neujahr weggefahren, nach Bad Wildungen oder Bad Lauterberg. Daran hab ich viele schöne Erinnerungen. Früher hab ich an Weihnachten ganz viel gemacht, mit großem Essen, Freunde hier, Familie da…Wir haben mit dem Epi-Chor um 23 Uhr im Gottesdienst gesungen. Das war immer der Höhepunkt vom Heiligen Abend.
In Titus habe ich dann jahrelang das Weihnachten für die Alleinlebenden mit ausgerichtet. Ab 1. Advent beleuchte ich den Balkon bei mir und stelle ein Weihnachtsgesteck auf den Tisch.

Gisela Kahle feierte oft in Titus und Epiphanias Weihnachten.

Am 24.12. am Vormittag gehen wir in den Zoo. Während wir dann das Essen machen – es gibt Kartoffelsalat, Wiener und Frikadellen – läuft im TV Findus und Petterson. Nachmittags gehe ich mit den Kids spazieren und mein Mann packt die Geschenke unter den Baum und kommt dann nach. Wenn wir zurück sind, gibt es die Bescherung, meistens so gegen 18 Uhr. Danach essen wir ganz in Ruhe.
Am 1. und 2. Feiertag lassen wir es ganz ruhig angehen mit einem langen Frühstück. Wir feiern immer für uns und fahren nicht zu unseren Familien, die über Deutschland verteilt leben. Den Stress tun wir uns nicht an. Weihnachten ist also bei uns wirklich sehr, sehr ruhig. Unsere Familien besuchen wir vor Weihnachten.

Kathi lebt mit ihrer Familie im Sahlkamp.

In Äthiopien ist die Weihnachtstradition ganz anders als hier. Weihnachten wird am 6. oder 7. Januar gefeiert. Es gibt keinen Heiligabend, keine Bescherung und auch kein besonderes Essen Am Weihnachtstag wird im Gottesdienst viel gesungen, das ist sehr feierlich. Man kann das Weihnachtsfest in der äthiopischen Kirche schlecht mit dem Weihnachten, wie man es in Europa feiert, vergleichen.

Pastor Tesso Benti kommt ursprünglich aus Äthiopien.

Vormittags muss man ja oft noch Besorgungen machen, einkaufen, so etwas. Meine Frau schmückt dann mit den  Enkeln den Baum.  Sie mag lieber Strohsterne,  ich  finde  Kugeln schöner, rote Kugeln. Aber am Ende bestimmen eh die  Enkel.  Und  dann  gehen  wir normalerweise mit der ganzen Familie in  die Kirche, das muss sein. Hinterher werden dann die Geschenke ausgepackt. Heute gibt es viel mehr Geschenke als früher…so viel Spielzeug! Und dann gibt es Raclette. Es ist gut, wenn die ganze Familie zusammenkommt. Ach, und der bunte Teller, mit Dominosteinen und Marzipankartoffeln, der darf an Weihnachten nicht fehlen.

Herr M. feiert Weihnachten gerne in großer Runde.

In Russland feiert man Weihnachten nach Silvester, erst am 6. Januar. Davor hat man immer eine Fastenzeit, in der die gläubigen Menschen kein Fleisch essen. Am 6. Januar kommen alle nachts zur Liturgie, das fängt um 18 oder 20 Uhr an. Wenn der Gottesdienst zu Ende und der erste Stern am Himmel zu sehen ist – man sagt sich, es sei der Stern von Bethlehem – dann gratulieren sich alle, und erst dann darf man etwas essen. Das Essen ist sehr ausgiebig. Es gibt ganz viel Fleisch, zum Beispiel Spanferkel oder Wild, und ganz viele Sachen, die gebacken werden. Traditionell gibt es dann einen süßen Brei mit Rosinen oder Honig.
Es wird auch überall geschmückt. Der Tannenbaum bleibt aber viel länger stehen als hier, bis Mitte Januar. Einen Tag nach Weihnachten gehen Kinder und Erwachsene durch die Straßen und klingeln bei den Häusern und singen Weihnachtslieder. Man geht zu den Nachbarn und Freunden, um gute Wünsche zu überbringen, denn man glaubt, dass es eine heilige Zeit ist, in der diese Wünsche dann auch in Erfüllung gehen. In diesen Tagen besucht man sich viel und man bekommt immer etwas Süßes…und manchmal wird dann auch versucht, mit Karten oder Kaffeesatz in die Zukunft zu schauen.

Irina Janz macht in Epiphanias und Titus Musik, sie ist in Russland aufgewachsen.

Als Muslime feiern wir kein Weihnachten im religiösen Sinn, aber wir freuen uns immer wieder auf die weihnachtliche Atmosphäre. Als kleines Kind habe ich es geliebt die Lichtdekorationen zu beobachten, und auch wir haben im Winter gerne welche am Fenster angebracht. Ich mag auch Weihnachtsmärkte sehr, vor allem das Essen: Champignons in Knoblauchsoße, danach immer einen Kakao. Ich vermisse weiße Weihnachten sehr. Als kleiner Junge habe ich gerne einen Schneemann gebaut, aber aufgrund des Klimawandels scheint das inzwischen beinah unmöglich.

Sergen studiert Jura, seine Familie kommt aus der Türkei.

Pastorin Hanna Jacobs