Ein Interview mit Pastor Otfried Krüger

Als Pastor waren Sie in den Gemeinden St. Lucas in Pattensen und Epiphanias in Hannover, bevor Sie 2004 in die Titus-Gemeinde (und die Timotheus-Gemeinde) gekommen sind. Was haben Sie im Laufe Ihres Berufslebens über Menschen gelernt?

Ich habe Menschen kennengelernt, die sehr gläubig und sehr liebevoll waren oder sind. So muss Kirche sein. Dann kann sie die Zeiten überstehen.

Ist Pastor sein so, wie Sie es sich als junger Student vorgestellt haben? Was war vielleicht anders als gedacht?

Ich kann mich nicht entsinnen, als junger Student Illusionen gehabt zu haben. Außer, dass ich am Anfang davon ausging, dass in evangelischer Theologie und Kirche ein auf der biblischen Botschaft gegründeter Glaube selbstverständlich ist. Ich merkte schnell, dem ist nicht immer so. Insofern war es im Beruf nicht viel anders als im Studium gedacht. Mit 15 Jahren allerdings, als mir klar wurde, welchen Beruf ich anstreben würde, wusste ich vieles noch nicht.

Welche Eigenschaft von Gott begeistert Sie besonders?

Vorsicht, jetzt kommt die Predigt!


Von Gott bin ich begeistert, weil er dieses Universum genau so geplant und geschaffen hat, dass wir auf diesem Planeten leben können. Die Naturgesetze sind Gottes Gesetze und ich kann mich darum auch immer wieder über die Natur und ihre Gesetze begeistern, soweit ich sie verstehe. Von Gott bin ich auch begeistert, weil er sich auf die Geschichte der Menschen einlässt und Herr über alles Geschehen bleibt. Darum finde ich Geschichte und Archäologie sehr interessant. Gott begleitet die Lebensgeschichte aller einzelnen Menschen. Er kennt alle Namen. In der Bibel wimmelt es von namentlich genannten Menschen. Von Gott bin ich begeistert, weil er für Gerechtigkeit und Frieden ist und es gar nicht mag, wenn Menschen Unrecht tun und Gewalt üben. Gott ist aber auch barmherzig und bereit zu verzeihen. Das ist besonders gut, denn das habe auch ich nötig. Ich liebe das theologische Nachdenken. Dieser Gott ist für uns Menschen unendlich gut.

In jedem Berufsleben gibt es ein paar Pleiten und Pannen, zum Beispiel, dass man die Weihnachtspredigt auf dem Schreibtisch vergisst, oder bei der Beerdigung den Namen der Verstorbenen verwechselt. Was ist bei Ihnen mal danebengegangen?

Mein berufliches Leben durchziehen allerdings viele Fehler. Pannen passieren immer wieder. Man hofft manchmal, dass es keiner merkt. Ich musste immer sehr darauf achten, alles dabei zu haben. Gottesdienste, Beerdigungen, Trauungen, Taufen habe ich immer sorgfältig vorbereitet. Kleine Fehler und Pannen gab es trotzdem. Nur bei einer Beerdigung ist mir ein schlimmer Fehler passiert. Es liegt über 20 Jahre zurück. Da habe ich aus irgendeinem Grund mitten in der Predigt auf einmal einen falschen Namen genannt. Die Trauergemeinde hat mich gleich korrigiert. Ich habe mich danach natürlich gleich entschuldigt und seitdem noch mehr aufgepasst.

Ihr Lieblingslied im Gesangbuch?

EG 302 „Du meine Seele, singe“

Noch ein paar Entweder-Oder-Fragen: Weltreise oder Nordseeurlaub?

Nordsee. Und Israel, Armenien, Schweden, Bayern und der Rest Deutschlands – wo halt Kinder und Enkel leben.

Thriller oder Liebesfilm? Beides.

Beatles oder Rolling Stones? Weder noch.

Sahnetorte oder Apfelkuchen? Apfelkuchen.

Mit dem Ruhestand werden Sie mehr Zeit haben. Worauf freuen Sie sich?

Mehr Zeit? Ich freue mich auf Familie, theologische Studien, das Kennenlernen interessanter Orte, und wenn Glaube, Hoffnung und Liebe in mir noch wachsen dürfen.

Wir sind dankbar für die gemeinsame Zeit und den Weg, den Titus und Epiphanias mit Ihnen gehen durften. Wir wünschen Ihnen Gesundheit und Segen für den Ruhestand!

Pastorin Hanna Jacobs