Es ist gerade sieben Monate her, da begingen die Kirchengemeinden Titus und Epiphanias das zehnjährige Jubiläum ihrer Kooperation. Wir dachten an den Beginn, die Unterzeichnung des Kooperationsvertrages und die Entwicklung gemeinsamer Projekte der Gemeinden, die starteten:

Das Gemeindeblatt, gemeinsame Gottesdienste, regelmäßige gemeinsame Vorstandssitzungen, gemeinsamer Konfirmandenunterricht – es lief nicht immer glatt, Konflikte über die Zusammenarbeit mussten bearbeitet und gelöst werden. Beide Kirchenvorstände ließen sich darauf ein.
Die Kooperation bedeutete Veränderung für beide Gemeinden und die Bereitschaft, sich darauf einzulassen.


Im Laufe der Zeit wuchs das Vertrauen zwischen den Kirchenvorständen. Die Freude an den neuen Entwicklungen überwog die Sorge, dass die Veränderungen den Gemeinden ihre eigenständigen Schwerpunkte rauben könnte. Und so schließt der Artikel zum zehnjährigen Jubiläum der Kooperation mit den Worten: „Unsere Kooperation ist gewachsen und erprobt. Wir können optimistisch in die Zukunft sehen, wenn wir uns gegenseitig unterstützen. Darauf freuen sich beide Kirchenvorstände“.

Das war Ende Januar. Und dann brach Corona über uns alle herein und brachte Ereignisse mit, die sich vorher kaum jemand hätte vorstellen können: Stopp des öffentlichen Lebens – das betraf auch die Kirchen. Nicht einmal zu Ostern waren Gottesdienste möglich. Erst seit Pfingsten sind die Kirchen wieder geöffnet, aber es ist nichts mehr so, wie es war: Strenge Abstands- und Hygieneregeln, an Abendmahlsfeiern ist gar nicht zu denken.

Titus und Epiphanias wurden durch diese Maßnahmen genauso kalt erwischt wie alle anderen Gemeinden. Aber jetzt zeigte sich, dass sie sich wirklich unterstützten: Andachtstexte wurden bald für beide Gemeinden geschrieben und in den Schaukästen ausgehängt; Videogottesdienste wurden gemeinsam durchgeführt, das entlastete die Pastoren und demonstrierte die Zusammengehörigkeit der Gemeinden.
Als Gottesdienste wieder möglich wurden, war klar, dass die Gemeinden nicht mehr hinter die erreichte Zusammenarbeit zurückgehen wollten.
Es gibt nun gemeinsame Gottesdienste für beide Gemeinden, abwechselnd in Titus und Epiphanias. Die Pastoren sprechen sich ab, jetzt zeigt sich, wie gut die Kooperation funktioniert.
Die Konfirmationen müssen ganz anders durchgeführt werden: Es werden kleinere Gruppen gebildet, darum muss es mehr Gottesdienste geben. Gemeindemitglieder können zu diesen Gottesdiensten gar nicht kommen, und darum wird an den Konfirmationsgottesdiensten in der „freien“ Kirche ein Gottesdienst für beide Gemeinden angeboten.

Die Grenzen zwischen den Gemeinden verwischen sich, ohne dass eine Gemeinde ihre eigene Identität aufgeben muss. Wir meistern gemeinsam die Krise der Corona-Zeit. So werden wir gemeinsam weitergehen. Das Wort „Fusion“ war lange ein Begriff, der Sorge und Ablehnung auslöste. Das hat sich geändert. Bei den Treffen im Kooperationsausschuss und auch bei den gemeinsamen Vorstandssitzungen wird offen über eine Fusion beider Ge- meinden gesprochen.

In der Corona-Zeit waren Gemeindeversammlungen nicht möglich. Sobald es wieder geht, werden beide Kirchenvorstände mit ihren Gemeindemitgliedern ins Gespräch gehen. Wir möchten hören, wie es allen ergangen ist. Und natürlich möchten wir in Titus und Epiphanias hören, wie die enge Zusammenarbeit gesehen wird. Wir sind gespannt auf Rückmeldungen, Kritik und Anregungen. Es ist dann auch eine gute Möglichkeit, über Zukunftsplanung zu sprechen. Wir freuen uns darauf auf diese Gespräche.

Irmgard Schulz