Zweiter Sonntag nach Ostern: Miserikordias Domini


„Die Erde ist voll der Güte des Herrn“
(Psalm 33, 5b)

(Sonntag des Guten Hirten)

Christus spricht: Ich bin der gute Hirte.
Meine Schafe hören meine Stimme,
und ich kenne sie und sie folgen mir;
und ich gebe ihnen das ewige Leben.
(Johannes 10, 11a. 27. 28a)

Psalm 23

Ein Psalm Davids.

Der HERR ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

Gott des Lebens,
durch die Auferstehung deines Sohnes
hast du der hoffnungslosen Welt deine Zukunft eröffnet:
Leite,
die auf dich hoffen,
aus dem Schatten des Todes in das Licht der ewigen Freude.
Durch Jesus Christus,
unsern Herrn.
Amen.

1. Es kennt der Herr die Seinen   und hat sie stets gekannt,
die Großen und die Kleinen   in jedem Volk und Land;
er lässt sie nicht verderben,   er führt sie aus und ein,
im Leben und im Sterben   sind sie und bleiben sein.
2. Er kennet seine Scharen   am Glauben, der nicht schaut
und doch dem Unsichtbaren,   als säh er ihn, vertraut;
der aus dem Wort gezeuget   und durch das Wort sich nährt
und vor dem Wort sich beuget   und mit dem Wort sich wehrt.
3. Er kennt sie als die Seinen   an ihrer Hoffnung Mut,
die fröhlich auf dem einen,   dass er der Herr ist, ruht,
in seiner Wahrheit Glanze   sich sonnet frei und kühn,
die wunderbare Pflanze,   die immerdar ist grün.
4. Er kennt sie an der Liebe,   die seiner Liebe Frucht
und die mit lauterm Triebe   ihm zu gefallen sucht,
die andern so begegnet,   wie er das Herz bewegt,
die segnet, wie er segnet,   und trägt, wie er sie trägt.
5. So kennt der Herr die Seinen,   wie er sie stets gekannt,
die Großen und die Kleinen   in jedem Volk und Land
am Werk der Gnadentriebe   durch seines Geistes Stärk,
an Glauben, Hoffnung, Liebe   als seiner Gnade Werk.
6. So hilf uns, Herr, zum Glauben   und halt uns fest dabei;
lass nichts die Hoffnung rauben;   die Liebe herzlich sei!
Und wird der Tag erscheinen,   da dich die Welt wird sehn,
so lass uns als die Deinen   zu deiner Rechten stehn.
Text: Philipp Spitta 1843
Melodie: Ich weiß, woran ich glaube (Nr. 357)
(EG 358)

Erster Brief des Petrus
Kapitel 2

21 Christus hat für euch gelitten und euch ein Vorbild hinterlassen,
dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen;
22 er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand;
23 der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte,
nicht drohte, als er litt, es aber dem anheimstellte, der gerecht richtet;
24 der unsre Sünde selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz,
damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben.
Durch seine Wunden seid ihr heil geworden.
25 Denn ihr wart wie irrende Schafe;
aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

Den Jesus, der gelitten hat, stellt Petrus uns vor Augen. Es gab eine Zeit, da wollte Petrus verhindern, dass Jesus leiden und sterben müsste. Es hatte eine heftige Reaktion von Jesus zur Folge (Markus 8, 31 – 33). Dann wollte er Jesus in Todesgefahr beistehen (Markus 14, 29) und ist sogar mit dem Schwert auf die losgegangen, die Jesus festnahmen (Johannes 18, 10. 11). Das hat Jesus nicht gewollt. Etwas anderes hätte Jesus von Petrus erwartet: dass er sich zu Jesus bekennen würde, gerade in einer kritischen Situation – aber Jesus wusste, dass Petrus versagen würde, und so war es denn auch (Markus 14, 66 – 72). Dieser Petrus hat danach viel gelernt und später diesen Brief geschrieben, aus dem die Verse für den heutigen Sonntag entnommen sind.

Jesus Christus ist uns im Leiden ein Vorbild. Gute Taten und Worte in guten, ungefährlichen Zeiten zu tun und zu sagen, ist das eine. Sich aber in schwerer Zeit, im Leiden, zu bewähren, ist etwas anderes. Genau darum geht es Petrus nun. Er, der einst mit dem Schwert los schlug, musste lernen, dass Jesus gegen seine Feinde gar nichts unternahm. Jesus hat sich nicht gewehrt, er hat niemandem gedroht, er hat niemanden beschimpft. Darin will Jesus uns ein Vorbild sein. Das sind seine Fußstapfen, in die wir treten sollen. Jesus, der keinerlei Schuld hatte, dem so übel mitgespielt wurde, hat sich nicht gerächt.
Wir, die wir keineswegs so gut sind, sollen uns auch nicht rächen, wenn uns Unrecht getan wird. Aber ist das nicht fragwürdig? Soll das Unrecht denn immer siegen?
Nein: Jesus hat keinen Frieden mit dem Unrecht geschlossen, er hat alles in die Hände dessen gelegt, der gerecht richten kann: Gott, sein und unser Vater.

Wir verzichten nicht auf das Recht. Wir kapitulieren nicht vor dem Unrecht. Wir lassen den richten, der alles weiß und alles durchschaut. Gott setzt die Gerechtigkeit durch. Wie er das tut, in welcher Zeit, das überlassen wir ihm. Es kommt aber die Zeit, da wird es einen neuen Himmel und eine neue Erde geben, „in denen Gerechtigkeit wohnt“, schreibt Petrus in seinem zweiten uns erhaltenen Brief (2. Petrus 3, 13).

Wichtig ist, dass wir wissen, was Jesus für uns getan hat. Er hat uns unsere Sünden weg genommen! Das ist unglaublich, aber wahr. Am Kreuz hat er gewissermaßen all unsere Sünden an sich gezogen und ist nicht nur mit ihnen, sondern gerade wegen unserer Sünden gestorben. Denn Gott hätte sehr wohl verhindert, dass dem gerechten Jesus Unrecht getan würde. Aber weil Jesus unsere Sünden auf sich genommen hat, darum musste er sterben. Damit hat Jesus die Gerechtigkeit erfüllt. Denn unsere Sünden verdienten den Tod. – Das hatte aber nichts mit dem zu tun, was die Feinde von Jesus im Sinn hatten. Die sind auf solche Gedanken nicht gekommen. Sie hatten ihre eigene Vorstellung von Gerechtigkeit.

Was Jesus auf sich genommen hat, ist unvorstellbar. Er hat die Verantwortung für alle Sünden aller Menschen aller Zeiten auf sich genommen. Mit ihm sind die Sünden gestorben! Und damit sind sie auch vergeben. Vergebung bringt wiederum Heilung, tiefgehende, immerwährende Heilung. Für Jesus brachte es neues Leben. Er ist von den Toten auferstanden. Sein menschliches Leben ist unzerstörbar geworden, ewig.

Diese Zukunft dürfen auch wir haben, die wir an diesen Jesus Christus glauben: ewiges Leben. Bis dahin müssen wir aber darauf achten, die Sünden, die schon tot waren, nicht wieder auferstehen zu lassen. Das geschieht freilich, kein Mensch ist sündenfrei. Wir lassen uns immer wieder von Sünden infizieren, weil wir Gottes Regeln und Schutzmaßnahmen nicht beachten. Aber Jesus hält weiter zu uns und vergibt uns –
wenn wir Wert darauf legen und Gott darum bitten.

Wir sind dazu berufen, auf dieser Erde ein Leben nach Gottes Willen zu führen, ein Leben in Gerechtigkeit und Frieden, barmherzig, gütig, freundlich, versöhnlich, ein Leben in Liebe. Immer wieder irren wir davon ab und verlaufen uns. Der gute Hirte aber lässt die Seinen nicht ins Verderben rennen. Er sucht sie, findet sie und bringt sie zurück.
Wenn sie es wollen.

Amen.