Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Schwestern und Brüder in Christus!

„Das Geld regiert die Welt“ sagt man in Deutschland, um zu zeigen wie wichtig Geld ist. Es stimmt, das Geld ist wichtig aber nicht das Wichtigste im Leben. Geld kann ein gutes Bett kaufen aber nicht einen guten Schlaf. Das Geld kann Medikamente kaufen, aber echte Heilung kommt nur von Gott. Wenn wir keine Weisheit haben oder keine Ahnung haben wie man mit dem Geld umgeht, kann das Geld jedoch das Leben zerstören. Wir brauchen die Weisheit um eine richtige Entscheidung zu treffen wofür und wann wir unser Geld ausgeben. Wir benötigen Lebensweisheit, um mit unserem Haben und Gaben umzugehen.

In unserem Predigttext aus dem Lukasevangelium 14, Vers 3-9 ist auch die Rede vom Umgang mit dem Geld. Der Evangelist schreibt:  

3 Und als Jesus in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt. 4 Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? 5 Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an. 6 Jesus aber sprach: Lasst sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. 7 Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. 8 Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis. 9 Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.

Die Jünger Jesu haben nicht verstanden warum die Frau ein teures Nardenöl auf Jesu Haupt goss. Sie sagten, man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben können. Vielleicht denken die Jünger an die Predigt Jesu, in der er sagte „Was ihr nur einem von den Ärmsten, Kranken und Gefangenen getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25). Das heißt der oder die anderen Menschen dient, dient auch Gott. So haben die Jünger gedacht, wenn sie mit der Frau schimpften.

Jesus erkennt auch, dass die frommen Juden besonders vor dem Passafest den Armen Geld geben. Trotzdem widerspricht er seinen Jüngern und sagt: „die Frau hat ein gutes Werk an mir getan“. Damit wollte Jesus seinen Jüngern daran erinnern, dass einen verstorbenen Menschen zu bestatten richtig ist und dass die Frau dieses Ritual erfüllt hat. Damit erinnert oder deutet oder signalisiert er seinen Jünger, dass er bald sterben wird.  

Aber wer die Bibel kennt kann auch fragen: Warum hat Jesus zu einem Jungen, gesagt „lass die Toten ihre Toten begraben und folge mir nach“? Ist das nicht ein Widerspruch?  Hier geht es nicht um die Beerdigung, sondern um die Priorität für Dienst. Die Frau setzte eine Priorität, um zu erledigen was jetzt nötig oder dringend ist, nämlich einen Abschied zu nehmen. Darum sagte Jesus „ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit“.

Liebe Leser und Leserinnen!

Im Leben brauchen wir viele Sachen, die wir machen oder haben wollen. Wir brauchen Essen, Kleidung, eine eigene Wohnung, Nächstenliebe und Kirchengebäude für Gottesdienste.  Um die Nöte der Welt zu lindern müssen wir für Gerechtigkeit und Fürsorge arbeiten. Alle diese Dinge sind wichtig, aber wir können nicht alles gleichzeitig machen oder haben. Manche Dinge können wir später erledigen, aber anderen müssen wir jetzt machen. Deswegen müssen wir Prioritäten setzen. –  Aktuell befindet sich die ganze Welt in einem Ausnahmezustand wegen des Corona-Virus. Diese Epidemie hat viele unsere Pläne zerstört. Seit einigen Wochen haben viele Geschäfte und Gotteshäuser geschlossen und viele Menschen wurden gebeten zuhause zubleiben. In dieser Zeit höre ich viele Ratschläge und Vorschläge von Menschen, die die Welt „retten“ wollen.

Ich bin mir nicht sicher ob alle Vorschläge helfen oder wir alles gleichzeitig schaffen können. In solchen Situationen brauchen wir Gelassenheit, Geduld und Weisheit um richtige Entscheidungen zu treffen.  In der Notsituation ist es wichtig Prioritäten zu setzen, beispielsweise wofür wir unser Geld ausgeben. In der Zeit, wo man das Geld für Kampf gegen das Corona-Virus braucht, kaufen manche Diktatoren Waffen, um Krieg gegen Menschen zu führen.

Gott sei Dank, wir leben in einem Rechtstaat und unsere Regierenden treffen schnelle und gute Entscheidungen. Sie stellen Milliarden Euro zur Verfügung, um die Notsituation in unserem Land zu lindern. Wir sind auch aufgefordert worden, für eine bestimmte Zeit auf sozialen Kontakt zu verzichten, Zuhause zu bleiben und das Geld, das für Notsituation da ist, verantwortlich zu benutzen. Alle Bürger und Bürgerinnen haben die Verantwortung und die Entscheidungsfreiheit. Aber wir sollten nicht unsere Freiheit missbrauchen. Das Notgeld ist nicht für Luxus, sondern für Notsituation gedacht. Gemeinsam haben wir die Entscheidungsfreit gutes Werk zur richtigen Zeit zu verrichten. Aber das heißt nicht, dass wir vor Irrtum befreit werden. Um richtige Entscheidungen zu treffen müssen wir miteinander reden, zuhören, argumentieren, streiten und Kompromisse finden. Dann können wir entscheiden, wie wir unsere Ressourcen für Gutes benutzen können.  

Die Frau die Jesus mit kostbarem Öl gesalbt hat, hat die richtige Entscheidung zur richtigen Zeit getroffen. Ihr wurde klar, dass sie sehr kurze Zeit hat, um Jesus ihre Liebe zu zeigen. Sie erkannte die Zeichen der Zeit. Ihr war bewusst, dass Jesus nach einigen Tagen sterben wird. Deswegen hat sie die Gelegenheit genutzt, ihre Dankbarkeit zu zeigen. Die kommende Woche heißt Karwoche, die Woche in der wir und an Jesu Leiden und Sterben erinnern. Traditionell treffen wir uns in der Kirche um Gottesdienst zu feiern in dem wir Loblieder singen und unsere Zeit Jesus schenken. Leider können wir dieses Jahr, dieses nicht tun, weil wir im Moment nicht mehr als zwei Personen an einem Ort zusammenkommen können. Trotzdem können wir geistig in Verbindung bleiben, in dem wir in unseren Gebeten an einander denken. Man kann Gott überall anbeten, egal ob es in der Küche zuhause ist oder in unseren Gärten.  

Nutzen Sie die Karwoche, um Jesus neu zu erkennen. Wir können Jesus neu erkennen mit unserer Dankbarkeit und in der Nächstenliebe. Wir erinnern uns was Jesus für uns gemacht hat, nämlich seine Hingabe, sein Leiden und Sterben. Wir können in Wort und Tat das Evangelium Christi verkündigen mit unserem Haben und Handeln. Wegen der aktuellen Epidemie müssen wir viel Zeit in unseren Wohnungen verbringen. Nutzen Sie die Zeit, die Sie zuhause verbringen als Chance um miteinander telefonisch ins Gespräch zu kommen; den Kontakt mit den Verwandten und alten Bekannten zupflegen. Schenken Sie einander ihre kostbare Zeit. Die Frau in unserem Predigttext hat nicht nach Kosten gefragt. Sie hat einfach ihren Dienst getan. So sollen wir auch tun. Dazu verhelfe uns Gott Amen.