Liebe Gemeinde,

1980 kam ich in die Titusgemeinde, um für ein Jahr mein Berufspraktikum zur Diakonin zu machen. Daraus wurden schließlich über 30 Jahre. 1988 erhielt ich vom Kirchenvorstand die Anfrage, als Diakonin mit halbem Stellenumfang in der Titusgemeinde zu arbeiten. Gern habe ich dieses Angebot angenommen, denn schon während meines Berufspraktikums sind mir die Gemeinde und die Menschen in Vahrenheide ans Herz gewachsen. Schwerpunkte meiner Tätigkeit waren die Arbeit mit KonfirmandInnen und Jugendlichen, insbesondere die „Offene Tür“ – Arbeit im Jugendkeller, in dem sich täglich eine große Anzahl von Jugendlichen einfand, für die der Tituskeller zum „zweiten Wohnsitz“ wurde. Später kam die „Eine – Welt“ Arbeit hinzu, ebenso die Aktionstage für Kinder in den Sommerferien, die wir in Titus mit vielen weiteren Einrichtungen des Stadtteils gemeinsam durchgeführt haben. Als meine Kollegin Frau Karge in den Ruhestand ging, wurde mir die Arbeit mit Frauen übertragen. Gern erinnere ich mich an die Gottesdienste der Frauengruppe, in denen wir beispielsweise den Fragen nachgegangen sind: Wie reden Frauen von Gott, wo kommen sie in der Bibel vor und welche Bedeutung hatten die Frauen für Jesus. In den folgenden Jahren gab es viele Veränderungen und Herausforderungen. Stellen wurden reduziert oder ganz gestrichen. Die Gemeinde musste ihre Angebote der Situation anpassen. Ich habe die Gemeinde als offene Gemeinde erlebt, offen für die Menschen mit ihren jeweiligen Bedürfnissen. Das Gemeindehaus als Treffpunkt für Menschen aus vielen Ländern, für Menschen unterschiedlicher Konfessionen und Religionen. Das Miteinander, das Voneinanderlernen, stand im Vordergrund, ob beim Treffen des Freundschaftskreises „deutscher und ausländischer Familien“, beim Osterbrunch oder beim „Kaffee unter der Kastanie“. Diese unterschiedlichen Angebote waren nur mit einem Team von hauptund ehrenamtlichen Mitarbeitenden möglich, die sich im Gottvertrauen für die Belange der Menschen im Stadtteil einsetzen. 2009 entstand die Idee des Schülertreffs, ein Angebot, das die besondere Lebenslage der Kinder im Stadtteil berücksichtigen sollte. Petra Ziehe, Anja Fuhst und ich installierten den Schülertreff für Kinder bis zur 6. Klasse. Ziel sollte es sein, die Kinder bei ihren Hausaufgaben zu fördern und in ihrer schulischen Entwicklung zu unterstützen. Im Miteinander sollte Gemeinschaft erlebt werden. Der Schülertreff wurde gut angenommen, die Warteliste für einen Platz war lang. Im Januar 2019 endet nun der Schülertreff und damit auch meine Tätigkeit als Diakonin in der Titusgemeinde, denn in den letzten beiden Jahren habe ich ausschließlich mit 12 Stunden dort gearbeitet. In den 31 Jahren als Diakonin, bin ich einer großen Anzahl an Menschen begegnet. Daraus sind vielerlei Beziehungen und Freundschaften entstanden, für die ich sehr dankbar bin. Ebenso dankbar bin ich für die Freiräume, die ich hatte, um die Arbeit selbständig zu gestalten und den Bedürfnissen der Menschen in der Gemeinde gerecht zu werden. Ich wünsche allen verbliebenen Mitarbeitenden der Titusgemeinde Gottes Segen und Gottvertrauen für ihre Arbeit für ein friedliches Miteinander auf dem Weg zu Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung.

 

Astrid Kristan-Kahle