Hannöversche Tafel (August 2015) … zu Besuch in unserem alten Gemeindehaus.

„Wir machen das aus Prinzip!“

Mein Besuch führte mich an einem sonnigen Donnerstag zu unserem alten Gemeindehaus, in dem sich eine von sechs Ausgabestellen der Hannöverschen Tafel im Stadtgebiet von Hannover befindet. Die Tituskirchengemeinde ist die einzige evangelische Kirchengemeinde in Hannover, die mit der Tafel kooperiert und in den Gemeinderäumen unseres alten Gemeindehauses eine Ausgabe anbietet.

Vor ca. 15 Jahren suchte die Tafel Räume, in denen eine weitere Ausgabestelle eingerichtet werden konnte. Auf die Anfrage hin stellte die Tituskirchengemeinde dafür das alte Gemeindehaus zur Verfügung. Lisa Kubsch, von Beginn an als Ehrenamtliche aus unserer Gemeinde dabei, erinnert sich gut an die Anfangszeiten: Wie sich nach und nach das Ausgabeteam bildete, die Organisation für die Ausgabe der angelieferten Lebensmittel zu regeln war, wie von Beginn an alles zügig und reibungslos sortiert werden musste, damit zur Ausgabe alles vorbereitet war.

Lisa Kubsch leitet inzwischen seit Jahren ein relativ festes Team von acht Helfern und Helferinnen, dazu kommen immer wieder einzelne Neue. Die neuen Helfer/-innen vermittelt meistens die Tafel, aber auch aus der Gemeinde und aus Lisas weitem Bekanntenkreis der Gartenfrauen und aus ihrem Sportverein helfen Ehrenamtliche mit.

Eine Bedingung gibt es für das Team alle müssen vom Prinzip bereit sein, alles mit vorzubereiten und hinterher zu putzen und aufzuräumen, sonst ist die Arbeit nicht zu schaffen. „Das machen sie aber alle gern, sie sind eine tolle Truppe“, sagt Lisa, „und sie verstehen sich alle gut.“

Für den Ausgabetag ist noch etwas ganz wichtig: Lisa hat an diesen Tagen im alten Gemeindehaus das Hausrecht!

Wie läuft so ein Vormittag ab: Regelmäßig kommen 4 Wagen vormittags und liefern die gespendeten Lebensmittel ab. Dann muss die Ware sortiert und wird nach der „Marktstand“- Methode aufgebaut. Es gibt keine vorgepackten Tüten. Ihre Tüten bringen sich die Gäste selbst mit und suchen sich weitestgehend und je nach Größe der Familie selbst aus, was sie brauchen. Was nicht für alle reicht, muss aufgeteilt werden. Aber von den Kuchenpaketen gibt es grundsätzlich nur eins! Und mittags ist immer alles alle!

Waren es in den Anfangsjahren ca. 100 Besucher bei der Ausgabe, kommen inzwischen jedes Mal bis zu 170 Personen. „Damit ist in unserer Ausgabestelle die Grenze der Kapazität erreicht“, meint Lisa Kubsch.

Eine Regel gilt: Die Besucher sind die „Gäste“ und sie werden alle freundlich behandelt. Sie gehören den verschiedensten Nationen an.

Vor der Ausgabe kontrollieren Mitarbeiter der Tafel die Berechtigung der Gäste und organisieren auch die Vergabe der Nummern zum Empfang, inzwischen sind es Nummern mit einer Zeitangabe für die Ausgabe. Das hat sich als sehr positiv herausgestellt, damit können die Warteschlangen wie in früheren Jahren vermieden werden.

In den Wartezeiten bietet die Titusgemeinde für die Besucher der Tafel für einen kleinen Beitrag Kaffee und Kuchen am Tresen an. Bei gutem Wetter werden vor dem Gemeindehaus Tische und Stühle aufgestellt. „Wir brauchen“, sagt Lisa Kubsch, „eigentlich auch wieder ein Projekt – Mit dem Einkommen besser auskommen – das es ja vor einigen Jahren schon einmal in der Gemeinde gab.“

Sie hat die Erfahrung gemacht, dass oft mehr als Lebensmittel gebraucht werden. Deshalb organisiert sie im Bekanntenkreis privat Kleidung. Sie weiß, dass ganz besonders viel Kinderbekleidung benötigt wird. Die Kleidung wird von ihr, getrennt von den Lebensmitteln, ausgegeben. „Das mache ich aus Prinzip“, sagt sie, und davon bin ich nach dem Interview mit ihr und ihrer Kollegin unbedingt überzeugt!

Irene Schwulera