Reformationsfeiertag: was heißt das für unsere Welt heute?

Der Ratsvorsitzende der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen, Landesbischof Ralf Meister, begrüßt mit großer Freude die Entscheidung des niedersächsischen Land-tags, den 31. Oktober als gesetzlichen Feiertag einzuführen. Gleichzeitig fordert damit der Bischof die christlichen Kirchen auf, der Reformation eine Bedeutung in unserer Welt zu geben. Viele Menschen in Niedersachen wissen nicht, was Reformation bedeutet. Trotzdem sind sie froh, diesen Feiertag für individuelle Freizeitaktivitäten benutzen zu können. Aber Reformation war eine Freiheitsbewegung, geleitet von mutigen Persönlichkeiten wie Martin Luther und seinen Kameraden.

Vor 500 Jahren mussten viele Menschen unter Unterdrückung, Hunger, Krieg und Ungerechtigkeit leiden. Wenige Menschen (Fürsten und Kirchen) hatten Zugang zu Ressourcen. Religion wurde als Entmündigungsideologie benutzt, und viele konnten nicht für ihre Rechte kämpfen. In dieser Situation schrieb Martin Luther seine 95 Thesen als theologische Reaktion für gesellschaftliche Fragen. Seine Thesen wurden als Zeigefinger benutzt, damit die Menschen sich von kultureller, wirtschaftlicher und politischer Unterdrückung befreien.

Die Geschichte wiederholt sich und unsere Welt leidet unter einer ähnlichen Situation. Überall in unserer Welt gibt es viele Probleme: Kriege, Gewalt, Terror, Krankheit, Armut, Hunger und etliche Schikane der Menschheit. Die Schwachen in der Gesellschaft sind meistens die Opfer. Sie werden getötet oder aus ihrem Heimatland vertrieben; deshalb sind viele Menschen unterwegs, ohne zu wissen, wohin ihre Wege führen. Tausende Flüchtlinge ertrinken jeden Tag im Meer. Andere werden in der Wüste getötet oder als Sklaven verkauft. Das macht uns alle hoffnungslos, hilflos oder ratlos. Flucht ist kein neues Phänomen, sondern ein alt bekanntes, das die Menschen durch Jahre wiederholt begleitet hat. Viele Menschen haben versucht, das Problem zu beseitigen. Aber sie können es nicht, weil sie sich nur mit den Symptomen beschäftigen. Wer wird die Wahrheit mit Namen nennen und wann, damit unsere Welt reformiert wird?

Eine Antwort dazu finden wir im Galaterbrief 5:1 und Paulus schreibt, „Zur Freiheit hat uns Christus befreit. So stehet nun fest und lasst euch nicht wiederum in das knechtische Joch fangen! (Gal. 5:1). Als Christen sind wir aufgefordert, uns für Freiheit aller Menschen einzusetzen. Unsere Gesellschaft dürstet nach der Freiheit. Die Solidarität schwächelt, das soziale Klima erkaltet, der Gegensatz von reich und arm ist längst zum Skandal geworden. In der Gesellschaft gibt es viele Fragen: Warum werden viele Bauern im Namen der Globalisierung ausgebeutet? Warum regiert das Geld die Welt? Brauchen wir nicht Demokratisierung der Wirtschaft statt Verwirtschaftung der Demokratie? Das sind nur einige der Fragen, die nach der Freiheit rufen, zu der uns Christus befreit.

Unsere Kirchen müssen sich heute diese Fragen stellen. Es sind Fragen an die Politik auf allen Ebenen. Aber es sind zuerst Fragen an uns selbst, da, wo wir uns von Angesicht zu Angesicht begegnen, wo wir uns zusammenschließen können zu gegenseitiger Hilfe, wo das Pflänzchen der Freiheit unter Absteigern, Ausgeschlossenen und Vereinsamten wachsen kann. Wir sollen uns solidarisch mit den Leidenden identifizieren. Stehen wir zusammen, so bestehen wir in der Freiheit, zu der uns Christus befreit hat! Niemand soll unter Knechtschaft stehen. Alle Menschen sind frei geboren und sollen frei leben können. Lassen Sie uns am Reformationstag sagen: Wir sind so frei.

So kann die Reformation eine Bedeutung in unserer Welt von heute haben.

Dazu verhelfe uns Gott!

Pastor Dr. Ujulu Tesso Benti