12. – 22. November 2017

„Streit !“

 Die Ökumenische Friedensdekade, angestoßen von der Friedensbewegung der DDR im Jahr 1980 – steht in diesem Jahr 2017 unter dem Motto „Streit !“ – und streiten können muss man in einer Demokratie. Wer nicht streiten kann, kann sich auch nicht einsetzen für das, woran er glaubt. Konflikt- und Dialogbereitschaft sind besonders wichtig für eine gesunde Demokratie. Man muss auch mal streiten, um die Perspektive zu wechseln und vielleicht einen neuen Blick auf alte Herausforderungen zu bekommen. Für jeden guten Kompromiss ist es schließlich entscheidend, dass beide Seiten sich gesehen fühlen.

Wir leben in angespannten Zeiten und das politische Weltgeschehen schreitet mit besonderer Dynamik voran. Wir leben aber auch in Zeiten der einfachen Formeln und der schnellen Antworten. Durch die Digitalisierung der Gesellschaft erreichen uns Botschaften des Hasses und der Intoleranz schneller und direkter. Hier sind wir alle gefragt, dagegen zu halten und uns nicht weg zu ducken.

 „Streitbare Demokratie“ – das ist ein Grundverständnis der Demokratie in Deutschland. Wer eine Streitkultur nicht pflegt, sondern abschaffen will, der ebnet Demagogie und Diktatur den Weg. Über 70 Jahre nach Kriegsende hören wir heute wieder Rufe nach Abgrenzung und Stärkung der nationalen Identität. Einzelne Gruppen schimpfen auf einen Pluralismus, von dem sie doch ein Teil sind. In einer Demokratie leben Menschen auf verschiedene Arten friedlich nebeneinander – nicht weil sie müssen, sondern weil sie wollen. Weil sie das Neue und Unbekannte als Bereicherung empfinden, und nicht nur als Bedrohung. Der Frieden, den wir schon so lange genießen, ist ein Privileg und das verdanken wir denen, die für ein friedliches, geeintes Europa gestritten haben. Damit ist der Auftrag an uns alle verbunden, uns jeden Tag aufs Neue für Frieden und Sicherheit in der Welt ein-zusetzen.

 

Auszüge aus dem Grußwort der Schirmherrin der Friedensdekade 2017

Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz