Am 21. August jährt sich der Todestag von Jürgen Asch zum zehnten Mal.

Er starb während einer Studienfahrt mit der Arbeitsgemeinschaft Bergen-Belsen nach Danzig. Am zweiten Tag der Reise besuchten wir die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Stutthof. An diesem Tag ging es ihm nicht gut. Ins größte erhaltene Archiv eines früheren Konzentrationslagers hatte er noch mit Interesse Einblick nehmen können. Er war ja selbst Betroffener: Sein jüdischer Vater war in der Reichspogromnacht 1938 verhaftet und ins KZ Sachsenhausen gebracht worden, wo er am 9. Dezember 1938 ermordet wurde. Und als Archivdirektor am Niedersächsischen Staatsarchiv interessierten ihn Archive schon vom Fach her.

Bei dem Rundgang über das Gedenkstättengelände musste er sich immer wieder setzen und ihn schließlich abbrechen. Ich konnte bei ihm bleiben bis der Rettungswagen ihn aufnahm. In derselben Nacht verstarb er an den Folgen eines Herzinfarktes im Krankenhaus von Elbing.
Seit 1977 kenne ich Jürgen Asch; er ist mir zum guten Freund geworden. Er war nicht nur 24 Jahre Kirchenvorsteher, er war in vielfältigen Aktivitäten in der Titusgemeinde aktiv, besuchte gerne die Gottesdienste und gestaltete sie auch selbst.

Er war ein Intellektueller, bewandert auf vielen Wissensgebieten. Er wandte sich besonders den Armen und Unterprivilegierten in unserer Gemeinde zu, er war ein großzügiger Spender. Aus der Kraft des Wortes Gottes zu leben bedeutete für ihn: für andere da zu sein. Gottesliebe und Nächstenliebe gehörten für ihn zusammen. Und so wirkt er selbst über seinen Tod hinaus in unserer Gemeinde fort: Er hat ihr im Testament einen großen Teil seines Vermögens hinterlassen, um die Titus-Stiftung zu gründen und damit besonders die Kirchenmusik in der Gemeinde zu fördern und die Erinnerung an die Opfer natinalsozialistischer Gewaltherrschaft wach zu halten. Eine Tat, die würdig ist nachgeahmt zu werden.

Eckard Bretzke